Was ist Kommunale Konfliktberatung?

Kommunale Konfliktberatung bietet lokalen Entscheidungsträger*innen in Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft Unterstützung beim Umgang mit Herausforderungen bei kommunalen Aufgaben. Sie hilft, die komplexe Gemengelage lokaler Probleme und Konflikte zu entwirren und so sozialen Wandel aktiv zu gestalten, Chancen für ein respektvolles Zusammenleben in den Kommunen zu verbessern und den Erfolg von kommunalen Initiativen zu erhöhen. Die Beratung unterstützt lokale Entscheidungsträger*innen dabei, die Bedürfnisse verschiedener Interessengruppen zu verstehen und die Wirkung (oder fehlende Wirkung) jeweiliger Lösungsansätze zu erfassen. Die zeitlich begrenzte Beratung gibt ihnen die Möglichkeit, eine externe Rückmeldung zu erhalten und zusätzliche Handlungsoptionen zu entwickeln. Die Gesellschaft der jeweiligen Kommune steht dabei als Urheberin notwendiger Veränderungsprozesse im Zentrum. Dies können u.a. Gleichstellungs- und Integrationsstellen, Jugendzentren, Quartiersmanagement, Bürgerinitiativen und Vereine sein. Gegenstand des Beratungsprozesses werden insbesondere diejenigen Herausforderungen, die im jeweiligen kommunalen Kontext relevant sind.

Kommunale Konfliktberatung wird als systemischer Ansatz bei Spannungen und Konflikten, aber auch in deren Prävention eingesetzt. Sie geht davon aus, dass die Bearbeitung von Konflikten und Konfliktpotenzialen ein Motor für gesellschaftliche Entwicklung sein kann und zur Gestaltung lebendiger Gemeinschaften vor Ort beiträgt. In diesem Sinne unterscheidet sich der hier verwendete Konfliktbegriff vom umgangssprachlichen Verständnis von „Konflikt“, der sich vorwiegend auf Symptome wie Gewalt oder Aggression richtet. Es werden stattdessen verschiedene Ebenen von Wahrnehmung und Handeln betrachtet und bei diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen und Interessen aller Beteiligten angesetzt. Denn diese stehen eigentlich hinter beobachteten Symptomen wie beispielsweise dem Rückzug von Teilen der Bevölkerung aus kommunalen Prozessen oder der Frustration von Entscheidungsträger*innen über unberechtigte Kritik. In der Beratung werden Handlungsmöglichkeiten identifiziert, die von Entscheidungsträger*innen vor Ort gestaltet und von ortsansässigen Beteiligten umgesetzt werden können. Qualifizierte Berater*innen initiieren Prozesse, die das kommunale Geschehen konstruktiv beeinflussen. Aufgabe der kommunalen Konfliktberatung ist es, in einem zeitlich begrenzten Prozess und unter Verwendung der vorhandenen Möglichkeiten und Ressourcen, die Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort bei der Bearbeitung von Konflikten zu unterstützen.

Kommunale Konfliktberatung ist am Forum Ziviler Friedensdienst e.V. entwickelt worden. Sie wurde in Modellprojekten in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin erprobt und in den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg eingesetzt.

Der Beratungsprozess ist als zirkulärer Prozess zu verstehen. Während und nach jeder der drei Phasen wird reflektiert, analysiert und zwischenevaluiert: (1.) Mit Methoden aus dem Instrumentarium der Konfliktanalyse (wie systemischen Analyseverfahren, Einzel- und Gruppengesprächen uvm.) fertigen wir eine Situations- und Konfliktanalyse an. Wo nötig werden vertiefende Studien zu spezifischen Einzelproblemen durchgeführt. (2.) Die Ergebnisse der Situations- und Konfliktanalyse wird lokalen Akteuren zurückgespiegelt und auf dieser Basis ein Handlungskonzept diskutiert. (3.) Die Umsetzung der Maßnahmen wird weiter begleitet, wo notwendig wird die Umsetzung durch das Hinzuziehen externer Fachberater*innen unterstützt.